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Und dann..? Kopfkino entschärfen

30. September 2020
Planung & Organisation

Das Thema für den heutigen Beitrag hatte ich schon im August geplant. Es gehört für mich zum Thema Scheitern und Fehler machen hinzu. Nun sind einige Wochen vergangen und ich sitze nun vor dem Thema Blockaden und Kopfkino.

Ich habe 2 Wochen „Indoor-Balkonien“ hinter mir (Das Wetter lud leider nicht für Aktivitäten draußen ein. Somit war das Sofa die Urlaubsinsel) und dennoch fühle ich mich nicht in der Lage diesen Text zu schreiben.

Ich möchte dir mit jedem meiner Beiträge einen Mehrwert bieten. Entweder mit Tipps und Anleitungen oder aber mit Anregungen, weil manche Themen im wuseligen Kopf untergehen.

Doch nun habe ich selbst dieses Brett vorm Kopf. Mein Kopfkino läuft auf Hochtouren und der Arbeiter, der die Filmrollen austauscht, kommt mit seiner Arbeit kaum hinterher. Das Gerät läuft heiß, aber das Kino will einfach keine Pause einlegen. Die Mitarbeiter kommen kaum hinterher den Kinosaal sauber zu halten und kümmern sich nur um das nötigste.

Und ich habe eine Dauerkarte und muss mir den Mist permanent anschauen

Gehen wir nun davon aus, dass wir verpflichtet sind in diesem Kinosaal zu bleiben. Gelegentliche Pipi-Pausen sind erlaubt und zu den 8 Stunden schlaf wird dann ausnahmsweise mal ein ganz kreativer und fiktiver Film abgespielt.

Den Rest der Zeit werden die Filme wahllos aus dem Regal genommen und zu unbestimmten Zeiten ausgetauscht. Du weißt nicht wann es passiert und auch nicht welcher Film als nächstes abgespielt wird.

Das was du siehst sind Ausschnitte

Ausschnitte von Situationen, die sich entweder bereits abgespielt haben und du sie immer wieder vorgespielt bekommst oder es sind auch Ereignisse, die dir noch bevorstehen. Situationen, vor denen du Respekt hast, weil du sie noch nicht einschätzen kannst.

Das Tükische an deinem Kopfkino ist nur der falsch geschulte Mitarbeiter, der die Filmrollen austauscht. Stell dir mal vor, du würdest Disney- oder Liebesfilme nur zu einem Drittel sehen. Es wäre ein seichter Start, indem du die Charaktere anfängst kennenzulernen. Dann kommt ein Schicksalsschlag, eine Bedrohung, etwas Trauriges, eine Herausforderung. Und dann wäre ein Cut. Der nächste Film wird eingelegt. Und wieder lernst du nur die Hauptfigur kennen und erfährst, dass etwas Schlimmes passiert.

Auf diese Weise würdest du das Happy-End nicht mitbekommen, sondern nur erfahren, wie grausam es dieser Figur geht. Dabei ist es doch schön zu wissen, dass auf uns am Ende definitiv ein Happy-End warten wird! Da verdrücken wir doch gerne mal eine Träne oder ziehen die Schultern vor Anspannung bis zu den Ohren hoch.

Ohne das Wissen, dass es gut ausgehen wird, sieht das Gemüt schon ganz anders aus. Die Situation wirkt beklemmender und einschüchternder. Wahrscheinlich sogar dramatischer und unüberwindbar.

Was Dinsney nun mit deiner Blockade zutun hat?

Ich liebe Disney- und Pixar-Filme, weil sie alle Register der Gefühle abrufen. Die Filme sind herzerwärmend, können kleine Tränchen hervorlocken, einen herzhaft lachen lassen und auch ein wenig Wut für den Bösewicht aufkommen lassen, weil er sich dem Hauptprotagonisten so in den Weg stellen will.

Aber all das funktioniert nur, wenn wir die ganze Story kennen. Es reichen nicht nur kleine Schnipsel. Und da kommen wir zu deinem eigenenen Kopfkino. Natürlich bauschen sich die SItuationen in deinem Kopf enorm auf, wenn du nur den Anfang der Situation in deinem Kopf durchspielst. Du musst dir schon den gesamten Film anschauen, um über ihn urteilen zu können.

Spinne die Story des Kopfkinos zu Ende

Nehmen wir einmal an, dass dir ein Projekt für einen wichtigen Kunden bevorsteht. In deinem Kopf spielt sich der Trailer ab, dass dieses Projekt sehr wichtig für dich ist, weil du davon deine Miete / deinen Urlaub / dein Lieblingskleid zahlen willst. Der Trailer ist natürlich so geschnitten, dass die Situation kniffelig und spannend aussieht. Man fragt sich, ob sie es schaffen wird, dieses Projekt gut abzuliefern. Denn wenn nicht, dann . . . !

Ja, was „und dann“?

Nimm dir mal die Zeit und spinne die Story in deinem Kopfkino weiter. Mache ruhig ein riesen Drama daraus. Wenn du das Projekt nicht schaffst, dann wird dich der Kunde nicht bezahlen. Du kannst dir davon nicht XY leisten. Es könnte sogar passieren, dass dieser Kunde nie wieder mit dir zusammen arbeiten möchte. Vielleicht wird er diese schlechte Erfahrung auch anderen potentiellen Kunden erzählen und du kommst schwieriger an neue Kunden heran. Das wiederum führt dann dazu, dass deine finanziellen Reserven sich immer mehr dem Ende neigen. Dann musst du dir eine Alternative überlegen wie du an Geld kommen kannst. Vielleicht müsstest du dafür einen anderen Job anfangen, die Selbstständigkeit aufgeben oder dich beim Arbeitsamt melden. Und dann? Dann hast du einen neuen Job oder ganz viel Zeit. Du hast wieder einen klareren Kopf, fragst dich womöglich, warum dein Kopf in der Situation so blockiert war und kannst es nach einer Reflektionsrunde beim nächsten Mal besser machen.

Natürlich KANN es schief gehen. MUSS es aber nicht. Und selbst wenn es schief geht, ist es in der Regel kein Drama. Es wird erst zum Drama, wenn du eins daraus machst. Es gibt immer eine Alternative. Eine alternative Sichtweise auf die Situation oder auch alternative Handlungen in den Situationen selbst bzw. hinterher.

Vielleicht hilft es dir das Drama im Kopf voll durchzuspielen und das schrecklichste Worst-Case-Szenario zu überlegen. In der Situation wird dir wahrscheinlich bewusst, dass es entweder gar nicht so dramatisch (wie im Trailer dargestellt) wäre oder dir fällt direkt ein Plan B ein, der dich ebenfalls entspannter in die Situation gehen lässt.

Also nimm dir kurz ein paar Minuten Zeit und sprich mit dem Mitarbeiter, der die Filmrollen austauscht und bitte ihn, die Filme mal ganz durchlaufen zu lassen. Er macht es nicht mit Absicht. Ihm wurde es nur nicht besser erklärt!

Alles in Allem:

Unser Kopf und unsere Gedanken haben so einen großen Einfluss auf unser Tun und Handeln. Fiese Gedanken bringen uns dazu Aufgaben aufzuschieben, traurig oder auch gereizt zu sein oder auch eine Angst vor etwas zu entwickeln.

Das Kopfkino bauscht die Situation enorm auf und fühlt sich irgendwann real an. Dein Kopf kann dir vor dem Fallschirmsprung so wundervoll ausmalen, wie der Fallschirm nicht auf geht und du wie ein Stein zu Boden rauschen wirst. Wenn diese Szene einmal in deinem Kopf abgespielt wird, ist es eine nette Information. Es kann passieren und nun bist du „vorbereitet“. Du könntest dich nun also wieder den positiven Gedanken widmen. Aber dann wird dieser Film ein weiteres Mal abgespielt. Und wieder, und wieder … Und die Angst vor dem Sprung wächst immer weiter. Irgendwann fühlt es sich so an, als würde dieser Fallschirm nur in ganz seltenen Fällen aufgehen und du kannst den Sprung (sofern du dich das dann noch traust) gar nicht richtig genießen.

Manchmal liegt es daran, dass du nicht die ganze Story kennst. So als würde der Disneyfilm nur den Teil zeigen, indem das schreckliche Ereignis eintritt und du wirst das Happyend niemals erfahren.

Deine Aufgabe:

Denke dir also die Szenen zu Ende. Frage dich immer wieder „Und dann?“. Solange, bis du den Knoten in deinem Kopf platzen hörst. Und wenn das nicht hilft, dann erzähle es einer anderen Person. Diese Filme laut auszusprechen hat häufig einen riesen Effekt.

Wie gehst du mit deinem Kopfkino um? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich freue mich von dir zu hören 🙂

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